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IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen
IHK-Konjunkturumfrage für Niedersachsen

Laut der aktuellen IHK-Konjukturumfrage präsentiert sich Niedersachsens Wirtschaft zum Jahreswechsel insgesamt robust. Die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen liegen nach wie vor auf hohem Niveau.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator bleibt auf dem guten Stand des Vorquartals von 117 Punkten. Allerdings haben sich die Auftragseingänge abgeschwächt. In 2012 ist mit einem schwächeren Wachstum, aber keiner Rezession zu rechnen. Das ergab die Konjunkturumfrage der niedersächsischen Industrie- und Handelskammern unter rund 2.000 Unternehmen:

- Bei den zuvor stark gestiegenen Auftragseingängen hat sich die Dynamik, insbesondere aus dem Ausland, im 4. Quartal abgeschwächt. Allerdings sind die Exporterwartungen für 2012 wieder gestiegen.

- Nach einem Rückgang im Vorquartal haben sich die Investitionspläne wieder gefangen.

- Die Beschäftigungspläne sind ebenfalls stabil und positiv.

- Die größten Risiken neben der Euro- und Staatsschuldenkrise gehen von den Energie- und Rohstoffpreisen aus.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator, der sich aus der aktuellen Geschäftslage und den Erwartungen der befragten Unternehmen zusammensetzt, befindet sich unverändert auf einem Wert von 117 Punkten. Damit liegt der Indikator weiterhin deutlich über dem 10-Jahres-Durchschnitt von 101 Punkten. Nur in der Boomphase 2006/07 und im rasanten Aufschwung nach der Krise von 2008/09 wurden höhere Werte erreicht.

Zum Jahreswechsel beurteilen über 90 Prozent der Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage als gut oder zumindest befriedigend; auf diesem hohen Niveau bewegt sich die niedersächsische Wirtschaft bereits seit dem vierten Quartal 2010. Dabei schätzen wie im Vorquartal 43 Prozent ihre derzeitige Lage als gut ein, 48 Prozent (Vorquartal: 49 %) als befriedigend. Lediglich 9 Prozent (Vorquartal: 8 %) sprechen im 4. Quartal 2011 von einer schlechten Situation. Damit unterscheidet sich die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im letzten Quartal 2011 so gut wie nicht vom dritten Quartal 2011.

Die Erwartungen an die kommenden Monate haben sich gegenüber dem Herbst, wenn man den Saldo der Positiv- und Negativerwartungen betrachtet, ebenfalls kaum verändert. Die Aussagen der Unternehmen ergeben jedoch ein differenzierteres Bild: Es gibt sowohl mehr Unternehmen mit positiven wie auch mit negativen Erwartungen: 22 Prozent der Unternehmen (Vorquartal: 20 %) rechnen mit einer weiteren Verbesserung. Aber 21 Prozent (Vorquartal: 19 %) gehen jetzt von einer eher ungünstigeren Geschäftsentwicklung aus. Damit überwiegt zwar nach wie vor der Anteil der Unternehmen mit einer optimistischen Zukunftseinschätzung, und die durchschnittliche Erwartungshaltung ist so gut wie unverändert, aber die einzelnen Unternehmen weichen in ihrer Einschätzung stärker voneinander ab. Dies ist charakteristisch für konjunkturelle Wendepunkte, weil die einen Unternehmen von einem Abschwung oder Aufschwung früher getroffen werden als andere.

Ein differenziertes Bild zeichnen auch die Auftragseingänge: Die Vorleistungsgüterhersteller berichten von sinkenden Auftragseingängen und -beständen. Gleichzeitig blicken sie optimistisch in die Zukunft und erwarten steigende Umsätze und einen Anstieg im Exportgeschäft. Im Gegensatz zu einer klassischen Rezession bleiben die Erwartungen und Planungen aber positiv. Dies deutet daraufhin, dass wir im 4. Quartal 2011 lediglich eine Wachstumspause einlegten.

Die Investitions- und Beschäftigungspläne der niedersächsischen Unternehmen sind weniger optimistisch als vor einem Jahr. Die Pläne haben sich aber im Vergleich zum Vorquartal jeweils leicht verbessert. 27 Prozent (Vorquartal: 24 %) planen in den kommenden zwölf Monaten ihre Investitionstätigkeit auszuweiten. 19 Prozent (Vorquartal: 17 %) wollen weniger investieren. 16 Prozent (Vorquartal: 15 %) der Unternehmen haben sich einen Ausbau ihrer Belegschaft vorgenommen. Der Anteil der Unternehmen, die einen Personalabbau erwarten, liegt dagegen unverändert bei 12 Prozent.

Die niedersächsische Wirtschaft rechnet 2012 mit einer Zunahme des Exportgeschäfts. 29 Prozent der Unternehmen (Vorquartal: 27 %) geben an, dass sie mehr exportieren werden. Nur noch 7 Prozent (Vorquartal: 10 %) gehen von einem Rückgang aus.

Als Standort für Auslandsinvestitionen hat China weiter an Attraktivität gewonnen. Gleichzeitig besteht die starke Orientierung auf den europäischen Markt fort.

Die Ergebnisse im Einzelnen
Die Industrie ist mit dem abgelaufenen 4. Quartal weiterhin sehr zufrieden. Die Wachstumsdynamik bei den Auftragseingängen hat sich allerdings abgeschwächt, was die Auftragspolster in den nächsten Monaten langsam dünner werden lässt. Gleichzeitig hat die Industrie aber ihre Exporterwartungen gegenüber dem Vorquartal wieder erhöht. 29 Prozent der Unternehmen (Vorquartal: 28 %) rechnen mit weiterem Wachstum; nur 6 Prozent (Vorquartal: 9 %) erwarten ein rückläufiges Auslandsgeschäft. Hier zeigt sich die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie.

Im Bauhauptgewerbe haben sich die Geschäfte im 4. Quartal 2011 dank der milden Witterung überdurchschnittlich gut entwickelt. Die Auftragseingänge schwächten sich zwar leicht ab, liegen aber deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. Insgesamt rechnen die Bauunternehmen mit einer etwa gleichbleibend positiven Entwicklung.

Der Großhandel berichtet für das 4. Quartal erneut über einen guten Geschäftsverlauf und geht davon aus, das hohe Niveau im laufenden Jahr halten zu können. Vor allem der industrienahe Großhandel berichtet von starken Umsätzen, auch für die kommenden Monate wird in diesen Bereichen (Rohstoffe, Metalle, Halbwaren, Maschinen) mit einem Umsatzplus gerechnet.

Der Einzelhandel war mit dem letzten Quartal des Jahres und damit dem Weihnachtsgeschäft mehrheitlich zufrieden. In den Bereichen Bekleidung oder Schuhe lief der Abverkauf der Saisonware wegen des zu warmen Wetters allerdings schwächer als erhofft. Einen deutlichen Rückgang hatten zum Jahresende die Autohäuser zu verzeichnen. Hier waren in den letzten Monaten zunehmend schleppende Zulassungen zu verzeichnen. Der gesamte Einzelhandel geht von etwa gleich bleibenden Umsätzen im Jahr 2012 aus.

Die Geschäftslage des Verkehrsgewerbes bleibt angesichts der aktuell noch guten Zahlen der Industrie zufriedenstellend. Die Branche erwartet allerdings ein leicht rückläufiges Geschäft. Die gestiegenen Kraftstoffkosten wurden in den vergangenen Monaten überwiegend an die Kunden weitergegeben, und die Verkehrswirtschaft kalkuliert mit weiteren Preiserhöhungen.

Bei den Banken läuft das Tagesgeschäft mit steigendem Kreditvolumen im Firmen- und Privatkundengeschäft anhaltend gut. Trotzdem rechnen die vorwiegend regionalen Kreditinstitute mit einer Abschwächung und pla-nen, die Zahl der Beschäftigten zu verringern. Weiterhin expansiv entwickeln sich die Geschäfte der Versicherer. Sowohl die Beitragseinnahmen und als auch das Neugeschäft konnten im 4. Quartal nochmals zulegen. Für 2012 wird mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung gerechnet.

Neue Rekordwerte haben die niedersächsischen Dienstleistungsunternehmen erreicht. 57 Prozent der Unternehmen (Vorquartal: 52 %) berichten von einer guten Geschäftslage, unverändert lediglich 4 Prozent sind nicht zufrieden. Besonders optimistisch blicken die Unternehmen aus Medienwirtschaft/IT auf das Jahr 2012, hier erwarten 39 Prozent der Unternehmen noch bessere Geschäfte (Vorquartal: 29 %). Die Dienstleister planen 2012 weiteren Beschäftigungsaufbau, jedes vierte Unternehmen will neue Mitarbeiter einstellen.

Ausblick

Der nach wie vor hohe Konjunkturklimaindikator und die guten Durchschnittswerte für Geschäftslage, Investitionen und Auftragseingänge sollten laut IHK Hannover nicht darüber hinwegtäuschen, dass es eine starke Streuung von positiven und negativen Meldungen gibt, die im Gesamtdurchschnitt nicht sichtbar wird. Sie zeige konjunkturelle Unwägbarkeiten.

Die Beschäftigungspläne seien nach wie vor positiv; allerdings reagiere die Beschäftigung immer erst mit Verzögerung und sei kein Vorbote der Konjunktur. Das Rekordbeschäftigungsniveau und das damit verbundene Einkommen machen den privaten Konsum jedoch auch 2012 zu einer Stütze des Wachstums. Die niedersächsische Industrie sei laut IHK im Export nach wie vor erfolgreich. Das Umfeld sei mit niedrigen Zinsen und einem günstigen Euro-Kurs für die Wirtschaft insgesamt positiv. Anzeichen einer Kreditklemme seien zum Jahreswechsel nicht vorhanden.

Die IHK Hannover erwartet, dass die niedersächsische Wirtschaft auch im Jahr 2012 wächst. Allerdings werde das Wachstum in diesem Jahr sehr moderat ausfallen, weil die Weltwirtschaft insgesamt schwächer wächst und weil sich die südeuropäischen Länder und Frankreich in einer Anpassungsrezession befinden. Die IHK Hannover rechnet dennoch mit einem niedersächsischen Wachstum 2012 von gut einem Prozent, sofern die Eurokrise sich nicht verschlimmert.

Das größte Risiko gehe nach wie vor von der Staatsschuldenkrise aus. Von einer dauerhaft tragfähigen Lösung und ihrer politischen Umsetzung in der Eurozone sei Niedersachsen zu Beginn dieses Jahres leider immer noch weit entfernt. Mit Sorge blicken die Unternehmen auch auf die Unsicherheiten und Preisentwicklungen an den Energie- und Rohstoffmärkten und den zunehmenden Mangel an Fachkräften.


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