Das Schiff aus rauer See wieder in sicheres Fahrwasser bringen – das war das Bild, mit dem damals, 1992, Ralf Kähler seine Aufgaben umrissen wurden, als er in den Vorstand der Volksbank Göttingen wechselte. Das Bild gibt auch sehr treffend seinen persönlichen Hintergrund wieder. „Meine Vorfahren waren entweder Kaufleute oder Kapitäne. Somit liege ich ganz in der Familientradition“ – sein Vater legte Wert darauf, dass er sein Handwerk von der Pike auf lernte: Der gebürtige Bremerhavener machte in der Nordseestadt zunächst eine Banklehre, durch die er den idealen Beruf für sich erkannte. Später studierte er in Bielefeld Wirtschaftswissenschaften und blieb dem Bankgewerbe treu: Er arbeitete einige Jahre als Verbandsprüfer beim Prüfungsverband deutscher Banken in Köln, als Prokurist bei der Westdeutschen Bauvereinsbank in Dortmund und saß neun Jahre im Vorstand der Volksbank Bitburg, bevor er schließlich, eher zufällig, nach Göttingen kam – zunächst als „einfaches“ Vorstandsmitglied, seit 1995 dann als Vorstandsvorsitzender.
Dass es ihm die Genossenschaftsbanken dabei angetan haben, hängt für ihn mit den eigenen Gestaltungsspielräumen zusammen: „Genossenschaften sind immer das, was menschliche Einsicht, geistige Kraft und persönlicher Mut aus ihnen machen“, schließt sich Ralf Kähler dem Motto Friedrich Wilhelm Raiffeisens an. Basisnähe, gedanklicher Austausch mit Kunden und Mitgliedern, um unternehmerisch etwas bewegen zu können, machen für ihn den Reiz eines regionalen Geldhauses aus. Nach Kählers inzwischen 17 Jahren in Göttingen kann man zu seiner Bilanz, gemessen an der 1992 vorgefundenen Situation, sagen: mission accomplished – die Volksbank präsentiert sich als solides Institut. Aber zu sagen, man hätte es geschafft, will er nicht. Für dauerhaften Erfolg bedarf es dauerhafter Anstrengungen: „Wir verfolgen die drei Maximen von damals, Ertrag vor Wachstum, Effizienzsteigerung und Qualität vor Quantität, beharrlich weiter“, fasst Ralf Kähler seinen Anspruch zusammen. Schließlich geht es ihm um nachhaltigen Erfolg statt kurzfristige Gewinn-Mitnahmen, wie auch das Standing der Volksbank im Angesicht der gegenwärtigen Krise zeigt – diese beziehungsweise ihre Folgen bilden für ihn denn auch die große Herausforderung für Südniedersachsen in den kommenden Jahren. Auch in einem weiteren Punkt ist Ralf Kähler stolz auf seine Bilanz: Heute ist „seine“ Bank in der öffentlichen Wahrnehmung renommiert präsent: Kundenzufriedenheitsumfragen und -analysen bestätigen ihr das beste Ergebnis aller Göttinger Banken, die Volksbank wird von Kundenseite sogar als das freundlichste Göttinger Unternehmen überhaupt angesehen.
Dass Kähler das geschafft hat, liegt an seiner „Mannschaft“: „Man kann nur mit hoch motivierten, markt- und kundenorientierten Mitarbeitern erfolgreich sein“, weshalb er seine Hauptfunktion betriebsintern als Kommunikator, Motivator und Integrator versteht. Man muss Menschen mögen – diese vier Ms sind die Grundlage für Vertrauensbildung. Neben Offenheit und Ehrlichkeit. Und davon hat er in guter Tradition hanseatischer Verlässlichkeit jede Menge.
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